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Hallo,hier ist die Extraseite für junge Cabuwazis.
An dieser Stelle könnte dein eigener Beitrag stehen, wenn du zum Beispiel über ein selbsterlebtes Ereignis bei Cabuwazi berichtest oder über deine Erfahrungen beim täglichen Training schreibst oder oder oder.
Einfach anrufen oder mailen!
Lisa in Finnland
April 2010
Ich bin Lisa und mache gerade für 12 Monate einen Europäischen Freiwilligendienst beim finnischen Zirkus Sorin Sirkus in Tampere.
Nach dem Abitur letzten Sommer wollte ich unbedingt weg und der EFD (European Voluntary Service, EVS) half mir dabei. So werden junge Leute von 18 bis 30 Jahren ins europäische Ausland vermittelt, hauptsächlich in soziale, ökologische und kulturelle Projekte
Hier in der Zirkusschule unterrichte ich überwiegend jüngere Kinder in verschiedenen Zirkusdisziplinen wie Akrobatik, Drahtseil, Jonglage oder Trapez. Da ich eigentlich Turnerin bin, vorher nicht sehr viel mit Zirkus zu tun hatte und finnisch auch nicht unbedingt zu den einfachsten Sprachen Europas zählt, war das am Anfang eine ziemliche Herausforderung.
Über meinen Zirkusalltag und die Dinge, die mir sonst noch hier in Finnland passieren, berichte ich in meinem Blog: lisainfinnland.blogspot.com .
CABUWAZI Kreuzberg/Schatzinsel
Herbst 2009
Eine Lehrerin schickte uns folgenden Dialog, den sie original wiedergegeben hat.
Letzter Tag vom Indianerprojekt der 3. Klasse. Alle Kinder sitzen um das Lagerfeuer, um die Bisonjagd zu besprechen. Einige Kinder bringen zum Ausdruck, dass sie nicht nur länger als bis Mittag machen wollen, sondern noch ein Woche länger.
Kind 1: "Wenn wir nicht länger machen können, dann bleibe ich einfach in der 3. Klasse und kann dann nächstes Jahr noch einmal eine Indianerprojektwoche machen!"
Kind 2: "Aber denke mal dran, dass wir in der 4. Klasse vielleicht das Zirkusprojekt machen, dann kommen wir auch wieder hierher!"
Kind 1: "Stimmt! Also weitermachen!"
Ein Beitrag von Cynthia, freiwillig in Paris:
Zirkustraining in Paris
Cynthia Sander
Jugendliche bei CABUWAZI
Sommer 2009
Ob meine kleine Schwester damals vor elf Jahren ahnte, was für eine bedeutende Entdeckung sie just in diesem Moment tatsächlich gemacht hatte, als sie neugierig mit einer Freundin auf eine Mauer in der Bouchéstraße geklettert war? Begeistert beobachtete sie die Einradgruppe, die dort im Hof neben dem CABUWAZI-Zelt trainierte. Sie ließ es sich nicht nehmen, dieses seltsame Fahrzeug auch einmal auszuprobieren. Während sie bald auch mich überredete, mitzukommen, und wir - uns am Zaun entlang hangelnd - unsere ersten Versuche auf einem Einrad unternahmen, konnten wir nicht wissen, was diesem Moment noch alles folgen würde.
Auftritte im Zirkuszelt, in der Urania, im Friedrichstadtpalast, Zirkusreisen nach Polen, Ungarn, Frankreich… Frankreich! Im Frühling 2006 besuchten wir den Plus Petit Cirque du Monde, den „Kleinsten Zirkus der Welt“ im Vorort Bagneux südlich von Paris. Wir wohnten in Wohnmobilen, entdeckten Paris und traten mit den Franzosen in einem extra für uns aufgebauten Zelt auf. Dem Austausch sollte ein weiterer in Berlin folgen. Zu Silvester kamen unsere Freunde zu uns in die Hauptstadt. Ich wusste, dass Le Plus Petit Cirque für jedes Jahr Freiwillige aus anderen Ländern sucht, die in dem Zirkus mithelfen und von der Europäischen Union dafür Fahrtkosten, Taschengeld, Unterbringung usw. gestellt bekommen. Zunächst zögerte ich, doch als der „Zirkusdirektor“ Elefterios mitbekam, dass ich interessiert war, kam er mit einem großen Lächeln auf mich zu und sagte, dass sie mich gern nehmen würden! Damit war es für mich entschieden und ich konnte mein Glück nun kaum fassen. Das Netzwerkbüro vom CABUWAZI half mir mit allen nötigen Anrufen, Formularen und sonstigen Formalitäten und schließlich saß ich ein halbes Jahr später tatsächlich im Zug nach Paris – beladen mit meinem schweren Koffer, meiner Gitarre, einem riesigen Rucksack, Schlafsack, Jonglierkeulen und natürlich mit meinem Einrad. Endlich am Gare du Nord angekommen, holte mich Elefterios ab und wir fuhren in mein zukünftiges Zuhause: ein Zimmer mit eigenem Bad im neunten Stock eines Wohnheims, von wo ich sogar den Eiffelturm in der Ferne sehen konnte!
Der nächste Tag brachte dann erst einmal stundenlange Versammlungen im Zirkusbüro, wo ich einige der Trainer und die Mitarbeiter kennenlernte. Für drei Stunden saß ich also mit am Tisch und so ziemlich das Einzige, was ich verstand, war, dass ich da sehr nette, lustige Leute vor mir hatte… In meinen ersten Wochen war ich von dem ganzen Sprachgewirr abends so müde, als hätte ich Leistungssport betrieben. Anstrengend war außerdem, dass ich noch nicht viele Leute kannte und noch nie vorher als Trainerin tätig war. Doch nach und nach lernte ich im Wohnheim immer wieder mal jemanden kennen, es gab gemeinsame Abende, Chinesinnen luden zum Essen ein, ein anderes Mal gab es Crêpes, man begeisterte mich für die Rugbyweltmeisterschaft und zeigte mir Paris.
Im Büro gewöhnte ich mich dank meiner lockeren Kollegen sehr schnell ein, machte Übersetzungen, bereitete Austausche des Europäischen Freiwilligendienstes mit vor, kommunizierte mit anderen europäischen Zirkussen und schrieb alle paar Monate einen Newsletter über das Zirkusgeschehen, wie es andere europäische Freiwillige erlebten, zum Beispiel bei CABUWAZI.
Beim Training dauerte es schon um einiges länger, mich an die Arbeit zu gewöhnen, da es natürlich Unterschiede zu CABUWAZI gab. So kann man dort schon ab drei Jahren anfangen und die Sechsjährigen machen bereits bei der Aufführung auf der großen Bühne eines richtigen Theaters mit. Wenn man dann mal so einen Haufen zwanzig kleiner „Monster“ vor sich hat… Da haben mir, glaube ich, vor allem die Kinder ganz viel beigebracht. Dass ein Kreis nicht einfach ein Kreis ist sondern eine Sonne. Dass ein kleiner Spielzeugdinosaurier sehr wohl mit trainieren kann. Und dass der Ball nicht le balle sondern la balle, also die Ball heißt! Und irgendwann kam dann ab und zu die Frage: Bist du vielleicht Engländerin? Und wo liegt denn Deutschland?
Ich habe außerdem in anderen Einrichtungen mitgeholfen. Da gab es zum Beispiel den Kindergarten mit einer Gruppe von acht Kindern, die alle auf ihre Weise im täglichen Leben ständig aufgefallen sind. Die Jungen waren etwa sechs Jahre alt und hatten teilweise sehr viel Phantasie und Geschick, schrien aber die meiste Zeit herum oder fingen ganz plötzlich an, sich zu schlagen. Eines der Mädchen hat anfangs bei einem Spiel nie sagen können, was für eine Statue sie gerade darstellte. Doch nach ein paar Monaten wollte sie unbedingt vor allen Eltern zeigen, was sie gelernt hatte, und liebte es, sich als Prinzessin auszugeben.
Besonders gefiel mir die Arbeit mit einem autistischen Jungen. Theo hat irgendwie in seiner eigenen Welt gelebt und mit seinen acht Jahren oft ganz anders reagiert als seine Altersgenossen. Da er auch eine andere Risikoeinschätzung hatte, passte ich darauf auf, dass er nirgendwo herunterfiel oder andere Kinder schubste. Während er mich am Anfang noch durch die ganze Turnhalle jagte, wuchs er mir mit der Zeit immer mehr ans Herz. Er fing an, mit mir zu sprechen, meine Ratschläge zu befolgen, und nutzte auch immer mehr die Zirkusrequisiten in dem Sinne, wie es ursprünglich gedacht war. Er schaute mich nicht mehr böse an, wenn ich es „wagte“, ihn mit einem Jonglierball zu attackieren, sondern fing diesen auf. Und schrie nicht laut nach Hilfe, wenn er kopfüber am Trapez hing, sondern hangelte sich einfach hoch – so wie es die anderen auch machten.
Nach wenigen Monaten fiel es mir überhaupt nicht mehr schwer, Französisch zu sprechen und zu verstehen, und ich fühlte mich pudelwohl. Und genau dann vergeht natürlich die Zeit wie im Flug und nach einem Jahr gab es schließlich die letzten Highlights meines Aufenthaltes.
Da war zum Beispiel ein großer Zirkusaustausch, bei dem sich sieben europäische Jugendzirkusse in Paris trafen. Alle hatten eine zehnminütige Vorstellung mitgebracht, aus der wir dann eine neue Aufführung erarbeiteten.
Und natürlich auch die große Vorstellung der französischen Kinder im Theater Victor Hugo. Das war ein so schöner Moment, als ich meine Einradgruppe auf der Bühne strahlend ihre ersten Tricks präsentieren sah. Dabei wusste ich, dass sie nur wenige Monate zuvor mit mir genauso angefangen hatten zu versuchen, auf einem Einrad das Gleichgewicht zu halten, wie ich es damals vor elf Jahren bei CABUWAZI versucht hatte.
